Dresden ist seit Monaten geprägt von einem Spannungsfeld zwischen Willkommenskultur und Vorbehalten gegenüber oder gar Ablehnung von geflüchteten Menschen. Vor diesem Hintergrund braucht die Stadt Dresden dringend Beispiele für gelingende Integration und beispielhaftes interkulturelles Zusammenleben.

Gleichzeitig führen schnell steigende Mieten in Dresden zur sozialen Segregation, das heißt, dass Menschen mit geringem Einkommen (u.a. Geflüchtete) nicht mehr im Zentrum oder in der Dresdner Neustadt leben können. Deshalb braucht Dresden Wege des inklusiven sozialen Wohnungsbaus.

Im Elixir suchen alle Beteiligten gemeinsam nach Formen des guten interkulturellen Zusammenlebens, der Quintessenz - so die ursprüngliche Wortbedeutung des Begriffs Elixir im Arabischen ريسكإل / al-iksīr.

Das Experimentierzentrum Elixir wird ein Raum sein, in dem Geflüchtete und Dresdner_innen gemeinsam leben, lernen, Kultur schaffen und arbeiten können. Gutes (interkulturelles) Zusammenleben trotz Unterschieden in Sprache, Kultur und Lebensgewohnheiten gelingt nicht per se. Das Experimentierzentrum wird deshalb Strukturen und Rahmenbedingungen des Zusammenlebens erkunden und einen ganz praktischen und wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in Dresden bieten.

Elixir will mit einer Genossenschaft für interkulturelles Leben, Wohnen und Arbeiten in Dresden die Vielfalt der Bevölkerung in Dresden abbilden. Auf dem Gelände der Königsbrücker Straße 117a/119 soll neuer Wohnraum für ca. 150 Personen in Neubauten und im sanierten Altbau entstehen - ebenso wie ein interkulturelles Zentrum für Begegnungen, Kultur und Lernen. Im Rahmen der Sanierung werden Ausbildungs- und Arbeitsplätze, u.a. für Geflüchtete, geschaffen.


Elixir ist ein Genossenschaftsprojekt zum sozialen und inklusiven Wohnungsbau in Dresden. Inklusiv ist die Genossenschaft, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem kulturellen und sozialen Hintergrund in unmittelbarer Nachbarschaft zusammen wohnen sowie Teile ihres Alltags miteinander leben und gestalten können. Die Genossenschaft setzt sich zum Ziel, formelle und informelle Zugangsbarrieren für Menschen verschiedener Herkunft zu erkennen und zu minimieren. Durch ein Quotensystem bleibt die Vielfalt der Bewohnerschaft auf Dauer erhalten. Der Wohnraum wird zudem die Kriterien des sozialen Wohnungsbaus erfüllen und insbesondere Menschen mit niedrigem Einkommen zur Verfügung stehen. Elixir ist zugleich ein interkulturelles Begegnungszentrum, das Geflüchteten und Dresdner_innen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen offensteht. Als Modellprojekt wird im Elixir eine gute und beispielhafte Praxis für interkulturelles Zusammenleben entwickelt werden.


Der Wohnort

Die zukünftigen Bewohner_innen werden das Modellprojekt ausgestalten, aber es ist die Aufgabe der Genossenschaft, gute Rahmenbedingungen für ein gelingendes Miteinander zu schaffen:

Herzstück des Experimentierraums sind Wohnungen für Familien, Wohngemeinschaften und Einzelpersonen. Wohnraum entsteht sowohl durch Neubauten für ca. 100 Personen als auch im Seitenflügel des zu sanierenden Hauptgebäudes. In den Wohnungen wird Platz für ca. 70 Geflüchtete (teils im Asylverfahren, teils mit Anerkennung) sowie 80 Dresdner_innen sein.1) Dieses Quotensystem ermöglicht ein inklusives Wohnquartier, das die Vielfalt unserer sich verändernden Gesellschaft abbilden kann.

Um kostengünstig, platzsparend und zugleich ökologisch vertretbar zu bauen, werden die Wohnungen mit durchschnittlich 20 m² Wohnfläche/Person relativ klein ausgelegt. Daneben wird es Räume zur gemeinschaftlichen Nutzung durch alle Bewohner_innen geben: Geteilte Wirtschaftsflächen, Räume für private Feste oder gemeinsam genutzte Werkstätten sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten schaffen Gelegenheit zur Begegnung und zur Mitgestaltung des Zusammenlebens. Mit dem zukunftsweisenden Prinzip „auf kleinem Raum wohnen, auf großem Raum leben„ wird so eine gute Balance zwischen Rückzugsmöglichkeiten und Begegnung geschaffen.

Diese Balance wird durch die architektonische Gestaltung unterstützt. Die Freiflächen im Zentrum des Ensembles, die Wegeführung oder der Gemeinschaftsgarten schaffen Anlässe zur Begegnung und zur gemeinsamen Organisation des Alltags.


Begegnungs-, Lern- und Kulturorte

Neben dem Wohnraum bietet das Projekt Räume für Begegnung, Lernen, Kunst und Kultur - nicht allein für die Bewohner_innen, sondern auch für den Stadtteil und die ganze Stadt. Diese Verzahnung mit der Stadtgesellschaft erhöht die Ausstrahlung, die von dem interkulturellen Projekt ausgeht. Durch die Ansiedlung von Bildungsträgern, Werkstätten oder Gastronomie wird das Elixir nicht nur zu einem besonderen, sondern auch zu einem alltäglichen Ort. Die Gestaltung der öffentlichen Bereiche wird Teil des partizipativen Prozesses mit zukünftigen Bewohner_innen der Gebäude und des Stadtteils sein. Daher sollen nur einige Potenziale skizziert werden:

  • selbstorganisiertes Beratungszentrum für Integration in Bildung, Arbeit oder Wohnungsmarkt sowie unterstützendes Netzwerk von migrantischen Lots_innen und Pat_innen, die den neuen Dresdner_innen beim Zurechtfinden helfen, Bildungsangebote von Dresdner Bildungsträgern und selbstorganisierte Bildung, z.B. Computer- oder Sprachkurse, Gesundheitsangebote, Do-it-Yourself-Workshops,
  • Treffen von ehrenamtlichen Gruppen und Initiativen aus dem Stadtteil,
  • Internationaler Nachbarschaftsgarten,
  • Gastronomie mit preiswertem Mittagstisch, teils von Geflüchteten betrieben,
  • Interkulturelle Abende mit Lesungen oder Konzerten,
  • Werkstätten und Ateliers in den Baracken/Garagen auf dem Gelände.


Partizipation von Anfang an

Unabhängig von Herkunft, Wohndauer im Haus oder Sprachkenntnissen: Anspruch des Projektes ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Bewohner_innen durch gemeinsame Verantwortung und Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Geflüchtete und andere Dresdner_innen, die sich für das Projekt interessieren, können sich bereits in die Planungsphase einbringen. In einer mehrstufigen Workshopreihe können sie ihre Bedürfnisse formulieren und ihre Vorstellungen für die Raumentwicklung und das zukünftige Zusammenleben entwickeln. Auch die öffentlichen Begegnungs-, Lern- und Kulturorte werden gemeinsam mit den potentiell Beteiligten geplant.


Baustelle International – Bauen als Stadtteilarbeit

Der Sanierungsprozess des Hauptgebäudes ist bereits integraler Bestandteil des Experimentierzentrums. Nachdem die Neubauten im hinteren Teil des Geländes errichtet und die ersten Bewohner_innen eingezogen sind, soll die Sanierung des Hauptgebäudes im Rahmen einer internationalen Baustelle erfolgen. Alle zukünftigen Nutzer_innen des Geländes sowie Menschen aus dem Stadtteil und der Stadt werden eingeladen an dieser internationalen Baustelle teilzunehmen. Denn es verbindet Menschen, wenn sie gemeinsam tätig sind und etwas Gemeinsames schaffen können.

Zum Einen wird ehrenamtliche bauliche Selbsthilfe (bis ca. 10% der Baukosten) eingeplant. Zum Zweiten werden in Kooperation mit Berufsschulen, Ausbildungsstätten und Bildungsträgern schon während Abbruch, Sicherungsmaßnahmen, Neubau und Sanierung Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor allem für Geflüchtete geschaffen.


Die Gebäude der Königsbrücker Straße 117a/119 (Vogelperspektive bei bing.com) im Norden der Dresdner Neustadt wurden 1878 als Arbeitshaus in Betrieb genommen und zwischenzeitlich u. a. als Vermögensamt genutzt. Als städtisches Eigentum stehen sie seit über zehn Jahren leer und erlitten trotz gelegentlicher Sicherungsmaßnahmen erheblichen Schaden. Ende 2015 waren die Grundstücke von der Stadt Dresden zum wiederholten Male zum Verkauf ausgeschrieben, mit einem Mindestgebot von 1,27 Mio. Euro.


Abbildung 1

Vorderansicht des Haupthause der Königsbrücker Straße 117a/119

Die Hauptgebäude mit einer nutzbaren Fläche von etwa 2.900 m² bestehen aus dem 4-stöckigen Haupthaus (2.1) (Google streetview) und einem Seitenflügel (2.3). Diese beiden Gebäude sind durch einen 3-stöckigen Zwischenbau (2.2) miteinander verbunden. Westlich des Hauptgebäudes befinden sich eine stark verfallene ehemalige Kapelle (3) sowie mehrere einstöckige Nebengebäude. Das Gelände umfasst eine Fläche von 12.700 m². Es wird von der Königsbrücker Straße und der Bahnlinie Richtung Bautzen/Görlitz begrenzt.


Abbildung 2

Zukünftiges Gebäudeensemble der Königsbrücker Straße 117a/119: gelb - Altbau, weiß - Neubau

Im Hauptgebäude (2.1) und im Zwischenbau (2.2) werden öffentlich nutzbare Einrichtungen wie ein Beratungszentrum, Multifunktionsräume oder ein Café entstehen. Die Kapelle (3) wird zukünftig als öffentliches Veranstaltungszentrum für Theater-, Kino-, Konzertveranstaltungen dienen. Im Seitenflügel (2.3) wird neuer Wohnraum geschaffen. Mit dem Neubau von drei Wohngebäuden (1.1, 1.2, 1.3) im hinteren Teil des Geländes, der Sanierung des Hauptgebäudes und der Gestaltung der Garagen (4.1, 4.2, 4.3) als Werkstätten und Ateliers entsteht ein ideales Ensemble mit Freiflächen in der Mitte, auf denen die Wege der Bewohner_innen sich kreuzen, Begegnungen möglich werden und Freizeit geteilt werden kann.

Die öffentlichen Räume im Hauptgebäude und in der Kapelle werden für alle Menschen in Dresden offen stehen - mit positiven Auswirkungen auf die soziale Vernetzung des umliegenden Stadtviertels (ESF-Fördergebiet Dresden-Nord). Sozialer Wohnungsbau ist gerade in diesem Teil der Stadt erforderlich, um Segregationsprozesse abzumildern. Der Standort am Rand der Dresdner Neustadt schafft ein positives Umfeld für Integration.


Elixir ist eine Antwort auf verschiedene aktuelle Fragen und Problemstellungen in Dresden: Sozialer Wohnungsbau, Inklusion und Integration sowie globale Verantwortung u.a. in Bezug auf Klimaschutz.


Sozialer Wohnungsbau in Dresden

Dresden ist eine schnell wachsende Stadt. Steigende Mieten verursachen eine Verdrängung von Menschen mit geringerem Einkommen aus den beliebten Stadtteilen. Die Konkurrenz von Dresdner_innen mit geringem Einkommen und anerkannten Flüchtlingen um günstigen Wohnraum führt stetig zu weiteren Ressentiments gegenüber letztgenannten.

Im September 2015 stellte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz, in ihrem Strategiepapier für eine integrative Flüchtlingspolitik in Deutschland fest: „Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau und mehr Wohnraum mit bezahlbaren Mieten - für alle Menschen in unserem Land! Die Kompensationsmittel des Bundes an die Länder sind deshalb für den Zeitraum bis 2019 zu verdoppeln.“ 2)

Sachsen braucht ein Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau. Es braucht aber auch inklusive Konzepte in der Umsetzung, damit ein gutes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund möglich wird. Es ist nicht absehbar, ob die etablierten Träger des sozialen Wohnungsbaus wie Wohnungsgenossenschaften und Investorengesellschaften die Herausforderung der Inklusion annehmen. Aus diesem Grund ist ein Genossenschaftsprojekt wie Elixir zukunftsweisend:

Das Institut für Stadtteilentwicklung der Universität Duisburg benennt die Potentiale: „Eine weitere Möglichkeit zur Schaffung von Wohnraum für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen bieten innovative genossenschaftliche und gemeinschaftliche Wohnungsbauprojekte. Die Städte sollten solche Projekte in Zukunft verstärkt durch die Bereitstellung von preisgünstigem Bauland und durch kommunale Förderprogramme unterstützen. Durch eine ergänzende Förderung der Genossenschaftsanteile von einkommensschwachen Haushalten kann die soziale Wirkung dieser Projekte noch erhöht werden.„3)


Inklusion und Integration in Dresden

Das Integrationskonzept der Stadt Dresden macht deutlich, dass Integration eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist: „Sie ist erfolgreich, wenn zugewanderte Menschen gleichberechtigt am Wohnungs- und Arbeitsmarkt, an Bildung, Kultur, sozialen Leistungen sowie am politischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben.“4) Das Elixir kann und soll einen bedeutenden Beitrag zur erfolgreichen Integration von Geflüchteten in Dresden leisten, denn das Wohnen ist das zentrale Bindeglied für die verschiedenen Facetten von Integration.

Im Elixir soll Herkunft keine Rolle spielen, kein Grund für unterschiedliche Bedingungen beim Wohnen und der Mitbestimmung sein.

Der Begriff der Integration beschreibt den Prozess, mit dem Menschen sich zunehmend besser in einer Gesellschaft zurecht finden und teilhaben können. Dagegen lenkt der Begriff der Inklusion den Blick auf die Institutionen und Strukturen, die sich öffnen und verändern müssen, damit alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können.


Integration durch gemeinsames Wohnen

Das Wohnen im Elixir bedeutet tägliche Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft - im Treppenhaus oder im Garten, beim gemeinsamen Kochen oder durch die miteinander spielenden Kinder. Die architektonische Anlage sowie die sozialen und kulturellen Begleitprojekte bieten Anlässe, sich näher kennenzulernen und sich nachbarschaftlich zu unterstützen. Gemeinsame Entscheidungen über die Gestaltung des Wohnensembles und gemeinsames Gestalten und Arbeiten an dem Gelände stärken ebenfalls das Zusammenwachsen der Nachbarschaft.


Integration über das Wohnen hinaus

Das gemeinsame Wohnen erleichtert das Erlernen der Sprache, erfordert es geradezu. In funktionierenden Nachbarschaften ist es einfacher, Netzwerke aufzubauen, Freundschaften zu schließen und sich wohlzufühlen. Wenn Menschen miteinander im Gespräch sind, lassen sich viele Verständnisfragen zum Leben in Deutschland besprechen: sei es zum Gesundheitssystem, zum Kontakt mit Behörden oder zu politischen Debatten.

Ein zentraler Aspekt von Elixir ist es, Geflüchteten die Arbeit bzw. Ausbildung auf der Elixir-Baustelle zu ermöglichen. Auf diese Weise wird für mehr Geflüchtete der Weg ins Arbeitsleben geebnet.

In den öffentlichen Räumen werden Bildungsveranstaltungen stattfinden, an denen Geflüchtete sowohl teilnehmen als auch als Lehrende Kurse geben und ihr Wissen weitergeben können. Über ehrenamtliche und informelle Tätigkeiten kann zudem der Einstieg in ein späteres Erwerbsleben gelingen. Ebenso ist das Elixir ein Raum für Kunst und Kultur, wo Menschen mit verschiedenen Lebenserfahrungen gemeinsam innovative Projekte entwickeln können.


Über die Bewohner_innen hinaus

Elixir trägt nicht nur zur Integration der Bewohner_innen des Hauses in den Stadtteil bei. Das Projekt gibt positive Impulse für Integration in der Stadt Dresden: Sowohl die Geflüchteten als auch die Dresdner_innen sind vernetzt und tragen ihre Erlebnisse und Erfahrungen in die Stadtgesellschaft hinein. Dies trägt zu einer differenzierteren Betrachtung des interkulturellen Zusammenlebens und der jeweiligen Bilder von den „Anderen„ bei und fördert gleichzeitig eine Normalität.

Das Wohnen im Elixir wird die Vielfalt unserer Gesellschaft abbilden - sowohl in Bezug auf die Bewohner_innen als auch in Bezug auf den gemeinsamen Umgang und Partizipationsmöglichkeiten. Selbstredend - Integration ist kein Selbstläufer. Das Projekt Elixir soll eine gesellschaftliche Werkstatt sein, in der gute Wege des Zusammenlebens und der gemeinsamen Teilhabe gefunden werden.


Globale Verantwortung — Ökologisch und klimafreundlich bauen und wohnen

Für ein Leben in globaler Verantwortung sind ökologische Aspekte beim Bauen und Wohnen unverzichtbar. Neben Energie- und Wasserverbrauch ist der Flächenverbrauch in den Städten eine zentrale Frage. Kaum ein Faktor ist in Bezug auf klimarelevante Emissionen so zentral wie die Wohnfläche pro Kopf. Diese bei hoher Wohn- und Lebensqualität vertretbar zu gestalten ist eine Herausforderung, die im Experimentierzentrum angenommen wird. Als individuelle Brutto-Wohnfläche sollen 20 m² / pro Person zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird eine gute Wohnqualität durch gemeinsam genutzte Räume gewährleistet.

Auf kleinem Raum wohnen, auf großem Raum leben.

Bezüglich des Energieverbrauchs ist nicht nur der Energiebedarf maßgeblich, sondern auch die Gesamtbilanz im Lebenszyklus der Gebäude. Berücksichtigt werden müssen daher auch Ressourceneinsatz und graue Energie.5)

Die Genossenschaft hat zum Ziel, die gesamte ökologische Bilanz in den Blick zu nehmen, unter anderem folgende Aspekte:

  • Minimierung des Material- und Ressourcenverbrauchs
  • Umweltverträglichkeit der verwendeten Baustoffe
  • Sanierung der bestehenden denkmalgeschützten Bausubstanz
  • Denkmalgerechte Dämmung und Lüftungssysteme
  • Entsiegelung auf dem Gelände
  • Versorgung mit Strom aus nicht-fossilen Energieträgern
  • Fernwärmeversorgung

Für die Energieversorgung der Gebäude laufen bereits erste Kooperationsgespräche mit der Energiegenossenschaft Neue Energien Ostsachsen eG (egNEOS).

Bei den Neubauten streben wir die Umsetzung von Dachbegrünung an. Sie entlastet Siedlungsentwässerung und Kläranlagen, wirkt der Aufheizung der Stadt entgegen und hilft bei der Luftreinhaltung.


Elixir ist keine kurzfristige Lösung zur Unterbringung von Geflüchteten in Dresden. Mittelfristig ist sein Beitrag für das Zusammenleben in der Stadt Dresden und für die Außenwahrnehmung Dresdens enorm. Zunächst ist eine politische Entscheidung des Stadtrates notwendig, um dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Weitere Schritte werden im Folgenden kurz skizziert.


Neubau und Sanierung

Die erste Aufgabe ist die Sicherung der Hauptgebäude, insbesondere des Daches, vor dem weiteren Verfall. Auf dem hinteren Teil des Grundstücks soll zeitnah neuer Wohnraum für bis zu 100 Menschen geschaffen werden. (siehe: Königsbrücker Str. 117a/119 – der ideale Ort) Dazu gibt es einen Austausch mit dem Projekt MAKE SPACE der Fachhochschule Potsdam. Im zweiten Schritt erfolgt die Sanierung der Hauptgebäude - mit möglichst hohem Anteil an baulichen Eigenleistungen, die u.a. durch die Bewohner_innen der hinteren Gebäude erbracht werden.


Finanzierung

Ein inklusiver und partizipativer sozialer Wohnungsbau muss kooperativ und nicht-gewinnorientiert entwickelt werden. Bürger_innen sind gefordert gemeinsam mit städtischen Akteuren neue Modelle der Finanzierung zu entwickeln. Eine Vielzahl genossenschaftlicher Projekte in der Schweiz und mittlerweile mehr als 100 Häuser des Mietshäusersyndikats in Deutschland zeigen, dass dies möglich ist: drei Mietshäusersyndikatsprojekte in Dresden und das genossenschaftlich organisierte „Zentralwerk“. In Leipzig und Dresden wird von Bewohner_innen selbst entwickelter Wohnraum in den letzten Jahren verstärkt von den Städten unterstützt.

Das Projekt Elixir präferiert die Überlassung des Geländes Königsbrücker Str. 117a/119 an die Genossenschaft über einen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Dresden. Die Grundlage für die Finanzierung des Neubaus bildet die Genossenschaft des Elixirs. Durch die Ausgabe von Genossenschaftsanteilen an Bewohner_innen, Nutzer_innen und Fördermitglieder wird ein Großteil des notwendigen Eigenkapitals aufgebaut. Solidarische Genossenschaftsanteile ermöglichen auch Bewohner_innen, die nicht selbst über ausreichend Kapital verfügen, die Teilhabe. Bei der Sanierung des Altbaus als Kultur- und Bildungszentrum werden Partner_innen gewonnen, die einen Teil des Eigenkapitals mitbringen.

In Kooperation mit der Stadt Dresden sollen Landesgelder für den sozialen Wohnungsbau sowie EU-Mittel für Modellprojekte wie z.B. das Programm der „Urban Innovative Actions„ aquiriert werden. Für die Sanierungskosten von geschätzten 6,7 Millionen Euro werden so auch Fördergelder aus dem Bereich der Kultur und Integration eingeworben. Ergänzend wird von Seiten des Vereins Elixir eine bundesweite Crowdfunding- und Spendenkampagne initiiert - insbesondere für den Aufbau des Kultur- und Bildungszentrums. Aktuell werden Mittel zur Projektentwicklung bei verschiedenen Stiftungen beantragt.

In ihrem Strategiepapier schreibt Staatsministerin Aydan Özoğuz: „Früh einsetzende und nachhaltige Integrationsmaßnahmen wird es nicht zum Nulltarif geben.“6)


Zeitplan

JahrOrganisatorische SchritteBauliche Schritte
2016* Gründung des gemeinnützigen Vereins Elixir
* Gründung der Genossenschaft
* Erstellung des Finanzierungskonzeptes / Beantragung von Fördermitteln
* Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Dresden
* Gewinnen von Genossenschaftsmitgliedern
* Workshops zur Konkretisierung des Wohn- und Baukonzeptes mit Nutzer_innen
* Auftrag zu Bauplanung des Neubaus an die Architekten
* Sicherungsmaßnahmen am Altbau und der Kapelle
2017* öffentliche Sensibilierung für interkulturelles Wohnen
* Einzug in die Neubauten
* Kooperationsvereinbarungen mit Trägern beruflicher Aus- und Weiterbildung (Ausbildungsplätze für Geflüchtete)
* organisatorische Planung der Sanierung der vorderen Gebäude (mit internationaler Baustelle/ Ausbildungsplätzen)
* Workshops zur partizipativen Weitereitentwicklung des WohnkonzeptesNeubau für 100 Personen im hinteren Geländeteil
* Neubau für 100 Personen im hinteren Geländeteil
* Aktivierung der Garagen als Werkstätten
* bauliche Planung der Sanierung der vorderen Gebäude
* Beginn der Sanierung
2018* Einzug der Bewohner_innen und Projekte ins Hauptgebäude* Fertigstellung der Sanierung Hauptgebäude
* Beginn der Sanierung der Kapelle


Wir sind überzeugt, dass Dresden dringend ein Modellprojekt zum interkulturellen Wohnen braucht - und ein Projekt dieser Größenordnung, um die entsprechende Breitenwirkung zu erzeugen. Das Elixir ist noch ein Ort der Zukunft, für den heute die Weichen gestellt werden müssen. Wir sehen die Rolle des Vereins Elixir darin, diese Idee zur Gestaltung unserer Gesellschaft einzubringen und mit all unserem Engagement zu ihrer Verwirklichung beizutragen. Dazu schaffen wir eine tragfähige professionelle Struktur, die die Projektentwicklung und den partizipativen Prozess mit den zukünftigen Bewohner_innen übernehmen wird. Dabei ist die Unterstützung durch Vereine, Organisationen, Privatpersonen und städtische Akteure willkommen und notwendig.

Wir verstehen unser Engagement als Angebot an die Stadt, gemeinsam ein wichtiges und innovatives Modellprojekt zu entwickeln. Die Voraussetzungen, die von Seiten der Stadt Dresden geschaffen werden müssen, sind:

  • Ein Erbbaurechtsvertrag für das Gelände Königsbrücker Str. 117a/119,
  • eine Zusammenarbeit bei der Projektentwicklung im Zusammenhang mit dem Dresdner Integrationskonzept,
  • Unterstützung bei der Erschließung städtebaulicher Förderprogramme des Landes und des Bundes sowie der EU,
  • Förderung z.B. durch stadteigene Mittel, Bürgschaften für Bankkredite oder langfristig abgeschlossene Mietverträge für von Geflüchteten bewohntem Wohnraum.


So können Sie unser Projekt aktuell unterstützen

  • Geben Sie dem Projekt Ihre Stimme: Schreiben Sie uns und wir setzen Sie auf die Liste der Unterstützer_innen: https://www.elixir-dresden.de/unterstuetzung
  • Bringen Sie Ihr Know-How in die Projektgruppe ein. Arbeiten Sie mit oder helfen Sie uns durch punktuelle thematische Unterstützung.
  • Unterstützen Sie uns durch Spenden. Auch der Planungsprozess kostet Geld.
  • Erzählen Sie von der Idee und helfen Sie mit, diese zu verbreiten.
  • Berichten Sie uns von Erfahrungen mit ähnlichen Vorhaben, treten Sie in Kontakt mit uns.


Wir danken den Unterstützer_innen, die auf unserer Website die Bedeutung des Projektes Elixir für die Dresdner Stadtgesellschaft gewürdigt haben. (https://www.elixir-dresden.de/unterstuetzer_innen)

Ohne vielfältige Beratung und Hilfe wären wir heute nicht, wo wir sind. Wir bedanken uns unter anderem bei:

  • Thomas Bretschneider, Olaf Reiter und Markus Weber (Architekten) für die Gebäudebegutachtung und Kostenschätzung,
  • Hildegart Stellmacher (Bauingenieuren) für die Gebäudebegutachtung,
  • innova e.G. Leipzig, Dr. Sonja Menzel für die Beratung zur Genossenschaftsgründung und Finanzierungsmodellen,
  • Matthias Schicht (Rechtsanwalt) für die juristische Begleitung,
  • Make-Space, Prof. Holger Jahn, Julia Göse und anderen für Entwürfe zur Neubebauung,
  • Studierenden im Masterstudiengang Architektur an der HTW Dresden und ihrer Professorin Angela Mensing-de Jong für die Anregungen durch das Entwurfsmodul zum Thema „Asyl in Dresden - Neue Nachbarn„,
  • dem Flüchtlingsrat Sachsen e.V. für den Austausch zum Thema Inklusion und Integration,
  • vielen anderen, die wertvolle Hilfe bei der bisherigen Entwicklung des Konzeptes geleistet haben.



Cosmopolis Augsburg

http://grandhotel-cosmopolis.org/de

Es war ein leerstehendes Pflegeheim. Dank einer Initiative von Augsburger Bürger_innen ist das Cosmopolis jetzt eine Herberge für Flüchtlinge und gleichzeitig ein Hotel für Reisende aus aller Welt - mit Ateliers, Café und Restaurant.

Auszeichnungen

  • Deutschland - Land der Ideen | Ausgezeichneter Ort 2015
  • »Zeitsicht«-Kunstpreis 2015


Bellevue de Monaco

http://bellevuedimonaco.de

In drei Häusern in der Münchner Innenstadt entwickelt die Sozialgenossenschaft Bellevue de Monaco ein integratives Beratungs-, Kultur- und Wohnprojekt. Neben einer Beratungsstelle und einem Café, das gemeinsam mit Geflüchteten betrieben werden soll, entsteht Wohnraum für Jugendliche, Familien und Alleinerziehende mit und ohne Fluchthintergrund. Die Gebäude standen ursprünglich zum Verkauf. Im Januar 2016 hat der Stadtrat den Erbpachtvertrag mit der Genossenschaft beschlossen.


Integrationsprojekt für Geflüchtete und Studierende

http://www.condrobs.de/aktuelles-projekt/

In einem Haus im Münchner Osten wohnen minderjährige und junge erwachsene Geflüchtete gemeinsam mit Studierenden. Im gleichen Haus befindet sich ein Bistro eines Beschäftigungsprojekt für langzeitarbeitslose Frauen, das als Café, Begegnungs- und Kommunikationsort dient.


Raumlabor im Haus der Statistik

http://raumlabor.net/haus-der-statistik/

Eine Berliner Initiative entwickelt ein Konzept für das leerstehende „Haus der Statistik“, in dem Wohnraum für Geflüchtete und Räume für soziale und Kulturprojekte entstehen sollen.

1)
In Dresden leben – neben den Geflüchteten – auch Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn wir von Dresdner_innen sprechen, meinen wir diese Menschen mit.
3)
Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung der Universität Duisburg/Essen (ISSAB): 10-Punkte-Strategie für eine inklusive Stadtpolitik. Ein Positionspapier des ISSAB zur Studie „Wohnungsangebot für arme Familien in Großstädten“ http://www.keck-atlas.de/uploads/tx_jpdownloads/10-Punkte-Strategie_inklusive_Stadtpolitik_ISSAB_final_01.pdf [zuletzt: 17.1.2016]
5)
Graue Energie bezeichnet die Menge der Energie, die für die Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird.